Rose #11/2022


Ich freute mich auf die Geburt meines ersten Sohnes. Das fanden einige immer sehr komisch zu hören, doch ich war mir ganz sicher, dass mein Körper dazu gemacht ist. Ich habe vor meiner Schwangerschaft schon oft hier gelesen. Ich fühlte mich vorbereitet und bestärkt darin, das durchzusetzen, was ich mir wünschte. Ich wollte eine natürliche Geburt und am liebsten im Wasser entbinden. Doch es kam alles ganz anders. Ich suchte mir ein kleines, familiäres und als stillfreundlich zertifiziertes Krankenhaus hier im Ort. Nach dem Infoabend dort, waren mein Mann und ich beide gleichermaßen begeistert von der Herzlichkeit und am Anfang der Schwangerschaft wurde mir dort auch einmal sehr gut und einfühlsam bei einer Blutung geholfen.
Ich sollte eingeleitet werden, da mein Sohn recht groß (bzw eher kurz und schwer) schien. Eigentlich hätte ich schon beim Geburtsplanungsgespräch stutzig werden müssen, aber meine Freundin erzählte mir vom "seltsamen" aber fachlich hervorragendem Chefarzt und so dachte ich mir meinen Teil und gut war.
Ich ging an einem Montag (ca. 2 Wochen vor ET) voller Zuversicht ins KH. Ich bekam Cytotec und wartete,  nichts geschah. Auch nach mehreren Gaben am Dienstag passierte nichts. Am nächsten Tag legte man mir ein Gel vor den Muttermund. Die Hebamme Frau I. (sie wird noch öfter eine Rolle spielen), ließ mich mein Becken dazu auf einer umgedrehten Bettpfanne platzieren (sehr unangenehm, und erniedrigend, wozu gibt es Keilkissen?!). Eine Ärztin, die nach der Elternzeit wieder anfing zu arbeiten, fragte, ob sie vor dem Oberarzt schonmal schauen dürfe. Ich stimmte zu. Sie war sehr vorsichtig und die Hebamme kommentierte mit "Sie lässt sich gut untersuchen ne ". Der Oberarzt legte dann das Gel. Da hätte ich mir schon mehr Kommunikation gewünscht, wenn der plötzlich dazu seine halbe Hand in mich schiebt, ohne Vorwarnung, ich dachte nämlich nicht, dass es so wehtun würde. Nun gut. Wehen kamen ganz leicht. Am Donnerstag sollte es eine zweite Runde Gel geben. Vorher war ich beim CTG und DIE Hebamme Frau I. untersuchte mich schonmal. Auf einmal hatte ich höllische Schmerzen, ohne Vorwarnung. Mir blieb die Luft weg, aber sie sagte kein Wort. Ich ging wie betäubt zurück in mein Zimmer und weinte vor Angst, weil das Gel ja noch kam. Ich erzählte dem Arzt von der brutalen Untersuchung (vermutlich eine Eipollösung) und bat ihn um Obacht. Er sagte nichts dazu, war aber vorsichtig und legte das Gel auf dem gynäkologischen Stuhl. Ich bekam keine wirksamen Wehen. Am nächsten Tag sollte ein Wehentropf gelegt werden. Das 'Alles oder nichts- Prinzip'. Ich war mittlerweile schon sehr erschöpft und nicht mehr so motiviert. Aber ich gab mir nen Ruck und dachte daran bald mein Baby kennen zu lernen.
Ich kam morgens in den Kreissaal. Meine Lieblingshebamme Frau S. hatte Dienst und auch sie bat ich um Vorsicht wegen der vorangegangen Untersuchung. Sie war vorsichtig und ging auf meine Wünsche ein (kein Einlauf etc) und ich wurde zuversichtlicher. Ich bekam Wehen und sie sagte mir, wenn sich bis zum ihrem Schichtende um 14 Uhr weiterhin nichts tut (Mumu stetig bei 2-3cm), glaubt sie das Baby passt nicht und geht von einem Kaiserschnitt aus. Das war ehrlich und ok. Mir wurde bald eine PDA ans Herz gelegt, obwohl ich mit den Wehen gut klar kam. Nachmittags wären die Anästhesisten ziemlich ausgebucht und im Falle eines Wehensturms nicht so schnell zur stelle. Auch wenn ich eigentlich keine PDA wollte, machte mir diese Aussage Angst, dass ich keine Hilfe bekommen könnte, falls ich es doch nicht schaffte, also stimmte ich zu. Der Anästhesist machte einen schnellen aber sehr guten Job. Von der PDA bekam ich Kopfweh, ich sollte etwas essen und ne Fanta trinken und es wurde schnell besser. 14 Uhr kam und der Schichtwechsel. Der Horror began. Ich wollte mich bewegen, ging mit Dauer CTG, welches wegen dem laufendem Tropf sein musste, nicht, also sollte meinem Sohn eine Kopfsonde gelegt werden. Und schon wieder hatte ich plötzlich eine ganze Hand in mir ohne Vorwarnung. Die Schmerzen waren heftig, da ich die PDA nicht ständig nachspritzte (ich wollte ja eigentlich eine natürliche Geburt). Diese Prozedur musste noch zwei- oder dreimal wiederholt werden. In diesem Zug: eröffnen der Fruchtblase ohne mein Einverständnis mit den Worten 'Achtung es wird einmal nass'.  Viele Untersuchungen und eine Oberärztin die sich rausredete weil sie bei mir als übergewichtige Patientin keinen Kaiserschnitt machen wollte, kam es wie es kommen musste und DIE Hebamme kam zum Nachtdienst. Bis dahin war mir bereits 2x der Zugang kaputt gegangen. Ich hatte die Hand und den Arm dick vom Wehenmittel was nicht ins Blut lief sondern in das umliegende Gewebe. Davon merkte ich lange nichts, da ich nach den vorangegangen Untersuchungen die PDA nicht mehr weglassen wollte.
Sie kam an und fuhr mich erstmal an, warum ich in diesem Kreissaal läge und nicht im anderen weil der wäre ihr ja lieber. Dann sah sie die Fanta und die Cracker und verbot mir ab dem Moment das essen und trinken. Sie ging zur Übergabe und ich brach zusammen. Ich wollte diese Frau da nicht. Ich wollte nicht von ihr angefasst werden. Ich vertraute ihr nicht. Ich merkte, dass ich keine Kontrolle habe. Nichts war so, wie ich es wollte. Als die Ärztin Frau Dr. G. und die Hebamme fragten was los sei, erklärte mein Mann ihnen die Situation und, dass ich nun panische Angst hatte, dass sie mir wieder weh tun würde. Statt mich zu stärken und zu schützen, sagte die Oberärztin folgendes zu mir:  "Also entweder klappt das jetzt hier oder ich dreh den Tropf ab und lege sie schlafen. Dann können sie mit dem Frühdienst weiter machen." Es wurde von allen Seiten gegen mich geredet. Es erfolgte keine Einsicht der Hebamme oder gar eine Entschuldigung. Ich gab auf, ließ mich untersuchen und die Hebamme riet zum Kaiserschnitt. Alles wurde vorbereitet. Im OP fühlte ich mich wie Vieh während man mir den Katheter brutal reinrammte und mit der kompletten Hand nachschaute ob der Mumu nicht doch weiter auf ist (die Tatsache, dass ich dank bereits gespritzter Betäubung keinen Schmerz fühlte, macht dieses erniedrigende Gefühl nicht besser). Ein zweiter Oberarzt wurde dazu gerufen und mein Sohn kam um 1:50 Uhr gesund zur Welt, nach 5 Tagen Einleitungsodyssee. Er war übrigens nicht kurz und schwer. Anschließend entzündete sich meine Naht, platzte bei einer Untersuchung von Dr. G. 10cm auf, 6 cm tief. Sie stand neben mir und verzog die Nase und beschwerte sich über den Geruch, während ich wimmernd auf dem Bett lag und mir der Eiter die Hüfte runterlief. Ab da war alles eine Katastrophe. Tägliche, heftig schmerzende Wundspülungen, viel Antibiotika, wodurch ich meine Muttermilch abpumpen und wegschütten musste weil mein Sohn extrem wund wurde, es war eine physische und psychische Tortur. Keiner wusste in diesem Krankenhaus was der andere macht. Was da noch alles gelaufen ist, würde den Rahmen sprengen. 3½ Wochen nach der Geburt wurde die Wunde in einer zweiten OP verschlossen. Diese erfolgte in Vollnarkose, da zwei Anästhesisten es nicht schafften nach neun Versuchen eine Spinale zu legen. Durch den dadurch entstandenen Bluterguss hatte ich einen Bandscheibenvorfall, der mir bis heute Probleme bereitet. Die Geburt ist mittlerweile fast drei Jahre her. Den Gedanken an ein zweites Kind kann ich zwar noch nicht loslassen, aber auch nicht zulassen. Mein Vertrauen in Ärzte in komplett erschüttert. Ich hinterfrage alles und vertraue nicht mehr auf angebliche Epertise. Mittlerweile ist die Entbindungsstation der Klinik der Wirtschaft zum Opfer gefallen und auch, wenn die Situation im System echt schlecht ist und wir jede Klinik brauchen, brachte es mir etwas mehr Frieden zu wissen, dass dort keiner Frau mehr das angetan werden kann, was ich erleben musste. Leider habe ich es nie geschafft eine Rose niederzulegen.

 
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